| Stephanies Eindrücke |
 | | Wenn
man nach Südafrika fliegt und dort größere
Städte durchquert,
kommt man unweigerlich an den Wohngebieten vorbei, in denen der
Großteil der schwarzen Bevölkerung wohnt, den
Townships. Sie ziehen
sich kilometerweit an den Straßen entlang. Es gab die
Townships schon
zu Zeiten der Apartheit, aber es gibt sie noch immer. Die Armut dort
ist groß, manche Hütten haben weder
fließendes Wasser noch Strom. Die
Apartheit ist vorbei, seit vielen Jahren. Aber nicht in den
Köpfen.
Weder bei den Schwarzen noch bei den Weißen. Was so lange
gelebt und
gefestigt wurde, verschwindet nicht so schnell. Doch
glücklicherweise
gibt es Menschen, denen die Zukunft Südafrikas am Herzen
liegt, und die
Brücken über den Zaun schlagen und die Hand reichen,
um zu helfen. So auch meine
Gastgeber, die sich um ein Kinderheim in Khayelitsha
kümmern, einem großen Township in Kapstadt, dieser
prächtigen Stadt mit
dem Tafelberg und an einer wunderbaren Bucht gelegen. |  | Familie Bauer
kümmert sich um dieses kleine Refugium inmitten des Townships,
dessen
Name „Neue Heimat“ bedeutet. Dort leben weit mehr
als 1 Millionen
Menschen, sie leben in diesem Gewirr von Straßen,
Häusern und Hütten.
Es werden mittlerweile viele geführte Township-Touren
angeboten, und
man kann sogar in Bed&Breakfast-Pensionen dort
übernachten.
Und
dort gibt es eben dieses Waisenhaus. Ich bin ein wenig beklommen, als
wir zu einem Besuch dorthin aufbrechen. Es ist mein erster Besuch in
einem Township. Die Fahrt geht vorbei an sehr unterschiedlichen
Hütten
und kleinen Steinhäusern. Ich sehe Menschen, die unter nicht
sehr guten
Bedingungen leben – und sehr viel Würde ausstrahlen.
Als unser kleiner
Konvoi an dem Kinderheim hält, vermittelt schon der erste
Blick das
Gefühl, dass hier eine sichere und gute Welt für
Kinder ist. Gemauert
und mit blanken Scheiben ist es das größte Haus in
der Umgebung, was
auch sein muss, da dort immerhin siebenundzwanzig Menschen leben. Die
Kinder sind aufgeweckt und so, wie Kinder eben sein müssen:
fröhlich,
ein wenig schüchtern, aber auch neugierig. Als ich das junge
Ehepaar
kennenlerne, dass diesen Kindern neben ihren eigenen vier Kindern ein
Zuhause gibt, bin ich sehr beeindruckt. |
 | Ruhig und freundlich
begrüßen
sie uns und wir dürfen das Haus besichtigen und Fragen
stellen. Die
Einrichtung des Hauses ist schlicht und zweckmäßig,
der Satz “Es fehlt
an nichts” kommt mir in den Sinn, auch wenn eben alles sehr
beengt ist
– die deutschen Ämter würden ein solches
Kinderheim sicher nicht
genehmigen - aber es gibt eben auch von nichts zu viel. So gibt es zum
Beispiel für diese vielen Menschen nur eine einzige Toilette
im Haus, an der sich morgens vor der Schule eine Schlange bildet. Es sind mir
viele Bilder und Eindrücke im Kopf geblieben. Die Kinder,
die während sich die Erwachsenen unterhalten, geduldig mit
Steinchen,
Sand und Stöckchen spielen. Die Küche, klein und
praktisch
eingerichtet, die Fürsorge, mit der die älteren
Kinder auf die Kleinen
achten. Das jüngste Kind, die kleine Mbira auf dem Arm von
Pricess,
dieser, schönen, warmherzigen und offenen jungen Frau. Die
Schulkinder
in den Schuluniformen, die den Weg herunterkommen. Bildung, das ist es,
was die Menschen in den Townships brauchen. Doch das Schulgeld muss
bezahlt werden, ebenso wie die Schuluniformen, die die Kinder tragen
müssen. Allein die Kosten für die Babymilch sind
relativ hoch. Es
ist ein großes Glück für die Kinder, dass
sie bei Princess und Gift
sind. Sie haben nach dramatischen Startbedingungen in ihr Leben endlich
ein Zuhause gefunden, dass diesen Namen verdient. Ihre
Lebensläufe
zeichnen sich allesamt durch die Tatsache aus, dass sie verlassen
wurden, aus welchen Gründen auch immer. Hier im Kinderheim
finden sie
Sicherheit und Geborgenheit. Darum ist es so wichtig, es zu
unterstützen, zu erhalten, die Lebensbedingungen dort weiter
zu
verbessern und den Kindern eine ordentliche Ausbildung zu
ermöglichen. | | Ich wünsche der Familie Bauer von
ganzem Herzen sehr viel Erfolg für
ihr Projekt “amelia” und werde weiter versuchen,
dafür Interesse zu
wecken, vor allem bei Personen und Institutionen, die eine finanzielle
Unterstützung geben oder Öffentlichkeit
dafür herstellen können. |
|